Video „Weil morgen gestern wird“

Vielen Dank für das Video an Liza Arbeiter und die Musik an Kids of Adelaide

Die schönsten Momente unserer Konferenz 2013 „Weil morgen gestern wird“. Schön wars, es hat uns allen sehr viel Spaß gemacht! Vielen Dank noch mal an alle Helfer, Unterstützer und natürlich an alle Teilnehmenden. Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr!

Eure GeNa

 

Das war die Nachhaltigkeitskonferenz 2013

Die Generation Nachhaltigkeit. Quelle: Lena T.

Die Generation Nachhaltigkeit. Quelle: Lena T.

Die Humboldts Studentische Konferenz der Generation Nachhaltigkeit hat mit einem großen Finale abgeschlossen. Drei ereignisreiche Tage auf dem Campus Adlershof in Berlin haben erfolgreich gezeigt, dass die heutige Generation durchaus Interesse an nachhaltigen Themen hat und bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.

Mit der Präsentation der drei Workshops zum Klimaschutz, nachhaltigem Wirtschaften und der Genossenschaft 2.0 wurde Ansatzsweise deutlich, welches inhaltlich konzentriertes Programm die Teilnehmenden absolviert hatten. Daneben gab es noch 15 Infoseminare und 11 Aktionsstätten, die alle herausforderten und einspannten.

Zusätzlich zu diesem Programm wurden in einer Podiumsdiskussion zum Thema „Zukunft 2033“, in einem Streitgespräch zum Ökokapitalimus und einem Vortrag über das Sterben des ecuadorianischen Amazonas-Regenwaldes mit Vertretern indigener Völker weitere Aspekte nachhaltiger Entwicklungen besprochen.

Dass es die Organisatoren und Teilnehmenden ernst meinen, zeigt sich auch darin, dass in zwei Monaten auf diesem Blog beschrieben werden soll, was sich für jeden einzelnen Teilnehmenden nach der Konferenz auf der Ebene der Nachhaltigkeit geändert hat. Die Ergebnisse werden dann ausgewertet und auf einer Ausstellung im Energieeffizienzhaus in Berlin präsentiert. Allen Teilnehmenden der Konferenz wird also geraten, in nächster Zukunft wieder auf diesem Blog vorbeizuschauen.

Das Orga-Team bedankt sich bei allen Teilnehmenden, Helfern, Partnern und Sponsoren, die diese Konferenz ermöglicht und zu dem gemacht haben, was daraus geworden ist.

 

Genossenschaft 2.0

Diskussion beim Workshop "Genossenschaft 2.0". Quelle: Lena T.

Diskussion beim Workshop „Genossenschaft 2.0“. Quelle: Lena T.

„Wir halten uns multinationale Konzerne in der Welt, die wir nicht brauchen.“ Felix hat Philosophie, Politik und Wirtschaft studiert und gründete vor ein paar Jahren eine Genossenschaft. Heute streitet er für diese Unternehmensform, gegen die er früher selbst Vorbehalte hatte. Die Genossenschaft gilt als verstaubt und wenig dynamisch, wie aus der Zeit gefallen. Doch die Beschäftigung mit einer neuen Auflage kann es sogar spannend sein – die Idee Genossenschaft 2.0 ist geboren.

Felix berichtet in dem Workshop von seinen persönlichen Erfahrungen, als er eine Unternehmensform für seine neu gegründete Online-Verkaufsplattform a la ebay und amazon suchte. Modern, flexibel, aber beständig, nachhaltig und transparent sollte sie sein. „Dass man bei einer Genossenschaft handschriftliche Unterschriften braucht, schreckte mich für mein Online-Projekt ab“, so Felix.

Doch er entschied sich dafür und für eine Generalüberholung der über 200 Jahre alten Unternehmensform. Die Gründung einer Genossenschaft ist Grundstein für eine langfristige Entwicklung, für die man Verantwortung trägt. Diese wird von allen Mitgliedern nach innen und außen übernommen. Transparenz sichert, dass man aus gemachten Fehlern auch lernt. Dazu gehört auch die Offenlegung der Unternehmensentscheidungen und Banktransaktionen.

Ein niedriger Schwelleneinstieg ermöglicht es einer breiten Masse teilzunehmen. Dies wird durch Online-Diskussionen und -Versammlungen, Verwendung und Bereitstellung von Open Source und der Vermeidung von Großinvestoren noch verstärkt. Außerdem wählen bei dieser Genossenschaft 2.0 die Mitarbeiter den Vorstand.

Diese Prinzipien, die so einleuchtend und doch utopisch scheinen, haben das Ziel, der Gesellschaft und Unternehmern ein neues Werkzeug zum nachhaltigen Wirtschaften an die Hand zu geben. Endlich können hierbei viele Menschen das entscheiden, was auch viele Menschen betrifft, gibt es weniger Interessenkonflikte zwischen Kunden und Mitgliedern, da diese sich eventuell überschneiden, und hat man ein geprüftes Mittel, um Krisen und Kartellen zu begegnen.

Ob sich eine Genossenschaftsbewegung von unten einstellen wird, ist jedoch noch nicht ausgemacht. Noch gibt es historische und sprachliche Vorbehalte gegenüber der Idee und dem Begriff des Genossenschaft. Dies zu überwinden und Anregungen und Hilfen für eigene Gründungen zu geben, hat sich „Fairnopoly“ von Felix und seinem Team zur Aufgabe gemacht.

Mehr dazu unter: http://info.fairnopoly.de/die-idee/

Energiewende ohne Energieende

Roberto zur Energieeffizienz beim Infoseminar. Quelle: Lena T.

Roberto zur Energieeffizienz beim Infoseminar. Quelle: Lena T.

„Wir haben unendlich Energie, denn Energie vergeht nicht, sie wandelt sich nur um.“ Dass sie dann nur nicht mehr für uns Menschen nutzbar ist, beschreibt die Herausforderungen unserer heutigen Gesellschaft. Lösungen dazu stellt Roberto Lisker von der TH Wildau in seinem Infoseminar „Energiewende ohne Energieende“ vor.

Deutschlands Energieversorgung im Jahr 2012 stützt sich weiterhin auf konventionelle Energieträger. Nur 12,6% der Energie wurden aus erneuerbaren Quellen gewonnen. Dabei ist die Verteilung des Verbrauchs ein wichtiger Hinweis, wie man effektiv zu mehr grüner Energie kommen kann. Da in den privaten Haushalten zwei Drittel der Energie für Raumwärme und Warmwasser und drei Viertel bei gewerblichen Unternehmungen für Prozesswärme bzw. -kälte verwendet wird, sieht man, dass der größte Teil der Energie in Wärme übergeht.

Ein Überblick über die erneuerbaren Energiequellen und ihre technischen Möglichkeiten zur Stromproduktionen soll verdeutlichen, dass wir nicht mehr nur auf wenige fossile Energieträger angewiesen sind, sondern bereits viele unterschiedliche Lösungsansätze gefunden wurden, um eine diverse Energieversorgung in Deutschland zu ermöglichen. Doch es soll auch deutlich werden, dass keine davon ohne Hürden auskommt. Energieerzeugung bleibt ein Flickenteppich, an dem wir ständig arbeiten müssen.

Der größte Träger potenzieller Energie ist die Sonne. Doch die Gewinnung ist nicht immer ganz einfach. Zur Wahl stehen Photovoltaik-Kraftwerke, die über Siliziumschichten den photoelektrischen Effekt ausnutzen, und solarthermische Anlagen, die die Sonnenstrahlung über Kollektoren bündeln. Bei den Solarzellen der Photovoltaik-Anlage ist jedoch der Wirkungsgrad noch gering und auch die Nachnutzung nach der relativ schnellen Alterung ist noch nicht geklärt.

Auch von der Sonne verursachte Energie kommt indirekt über den Wind. Denn die Sonnenstrahlung sorgt auf der Erde für unterschiedliche Luftdrucke – die dann für Verschiebungen der Luftmassen sorgen. Mit Windkraftanlagen versucht man diese Energie aufzunehmen und auf eine Turbine zu übertragen. Doch zahlreiche Beschränkungen und Herausforderungen sorgen für einen bitteren Beigeschmack bei der Energieerzeugung. Dazu gehören maximale Windgeschwindigkeiten, Probleme wie Schattenwurf, Vogelschlag, Geräuschentwicklung und Eingriffe ins Landschaftsbild sowie die öffentliche Akzeptanz (sog. NIMBY-Effekt, „not in my backyard“).

Auch bei Biomasse-Kraftwerken wirkt die Sonne als ursprünglicher Energielieferant beim Wachstum der Pflanzen, die dann entweder verbrannt oder durch Bakterien anaerob zersetzt werden. Andere Formen sind dann noch die Vergasung, hydrothermale Karbonisierung, Pyrolyse oder Fermentation.

Wasser als Energieträger hat weltweit den größten Anteil an den erneuerbaren Energien, doch in Deutschland ist seine Ausbaugrenze faktisch schon erreicht. In Laufwasserkraftwerken nutzt man Höhenunterschiede aus, die das Wasser fließen lassen und die Turbinen antreiben. Daneben werden auch die Bewegungen des Wassers bei Gezeiten und Wellen genutzt.

Im Erdmantel ist thermische Energie gespeichert. In geologisch aktiven Gebieten kann man diese an die Oberfläche befördern, indem man mit Bohrungen in bis zu 8km Tiefe kaltes Wasser in die Erde schickt, dieses dort aufwärmen lässt und dann wieder hinaufpumpt, um daraus Strom zu erzeugen oder als Fernwärme zu nutzen. Problematisch ist auch hier der geringe Wirkungsgrad sowie die korrosiven Medien in großer Tiefe, die von aggressiven Salzen angegriffen werden.

Neben der Idee, Energie nachhaltig aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen, gibt es weiterhin die Möglichkeit, Energie einzusparen oder sie intelligenter zu nutzen. Auf EU-Ebene hat man sich bereits darauf geeinigt, die Energieeffizienz um 20% zu steigern. Dazu kann man zum einen die bestehenden Übertragungstechniken verbessern, um Übertragungsverluste zu minimieren. Als effektive Alternative dazu bietet die Kraft-Wärme-Kupplung schon ein System, um nicht nur Strom durch Turbinen zu gewinnen, sondern den zum Antrieb verwendeten Wasserdampf wieder zu verflüssigen und als Fernwärme direkt den Haushalten zuzuführen.

Ein weiterer Ansatz, bereits produzierten Strom besser zu nutzen, ist die Speicherung von Energie und Zurückführung ins System in Zeiten geringer Stromerzeugung. Verbraucht man nachts zum Beispiel nur wenig Energie, wird trotzdem Energie gewonnen, die dann gespeichert und tagsüber genutzt werden kann, wenn viel Strom benötigt wird. Dazu kann man Pumpspeicherkraftwerke oder Druckluftspeicher verwenden. Aber auch die Umwandlung in Wasserstoff oder andere Gase gilt als effektiv. Hierbei kann nämlich das bestehende Gasnetz als Speicher genutzt werden und würde somit eine Alternative für teure Batterien darstellen.

Auch die Möglichkeiten der Dezentralisierung der Energieerzeugung soll nicht vernachlässigt werden. Verzichtet man nämlich weitgehend auf Hochspannungsleitungen und Stromtransport über größere Distanzen, so vermeidet man damit auch Spannungsverluste und gewinnt an Unabhängigkeit gegenüber den Netzbetreibern.

Wie die Darstellung deutlich macht, ist der Übergang zu einer nachhaltigen Energieerzeugung nur durch eine Vielzahl an Puzzleteilen umzusetzen. Die Energiewende bleibt ein dezentrales Projekt mit vielen Akteuren und Lösungsvorschlägen.

Aus Holz Werte schaffen

Bei der Holzwerkstatt müssen die Teilnehmenden selbst zu Pfeile und Säge greifen. Quelle: CH

Bei der Holzwerkstatt müssen die Teilnehmenden selbst zu Pfeile und Säge greifen. Quelle: CH

Für Toni, Tischlergeselle im dritten Lehrjahr, ist IKEA Sinnbild für die Wegwerfgesellschaft. Möbel aus einfachen Materialien verschleißen besonders schnell und werden dann meist auch gleich weggeschmissen. In einer Aktionsstatt versucht er nun, den Teilnehmenden die Bedeutung von hochwertigem Holz durch praktische Anwendung zu vermitteln.

Tatsächlich verfügt IKEA über eine Nachhaltigkeitsstrategie, in der vor allem auf den Bereich der Glühbirnen eingegangen wird. Doch als großer Holzverwerter stellt sich das Unternehmen auch der Zertifizierung ihres Holzverbrauchs. Als größtes Problem sieht Toni aber noch die Verwendung von Bindemitteln bei der Produktion von Spanholzplatten. Diese enthalten Formaldehyd, das sich durch seine toxischen Eigenschaften auf die Gesundheit der Kunden auswirken kann. Außerdem ist eine Weiterverarbeitung oder klassische Verbrennung alter Spanplatten nicht erlaubt, womit die Entsorgung zum zusätzlichen Problem wird.

Hingegen sind Möbel aus Massivholz deutlich teurer, schwerer und im Sinne der nachhaltigen Nutzung von Bäumen zweifelhaft. Obwohl man hierbei über den Begriff der Nachhaltigkeit streiten kann. Bedenkt man nämlich, dass Möbel aus Omas Zeiten zwar schon ein bisschen verstaubt, aber durchaus schon über 100 Jahre genutzt werden, ist dies bei weitem nachhaltiger als die Einmalverwendung von Billy-Regalen.

Für den besonderen Bedarf ist die Eigenproduktion durchaus eine Alternative. Auch wenn sie teurer und zeitaufwändiger ist als die automatisierte Massenproduktion bei IKEA, so vermittelt sie doch einen höheren Wert der Ware Holz und ermöglicht auch individuelle Designs und Maße. Und so versuchten sich dann die Teilnehmenden der Holzwerkstatt an alten Dielenresten mit Sägen, um sich ihr erstes selbst produziertes Holzinventar herzustellen.

Nudge it!

Georg von nudge it beim Workshop "Verantwortung im Wirtschaften". Quelle: Anna Goldberg

Georg von nudge it beim Workshop „Verantwortung im Wirtschaften“. Quelle: Anna Goldberg

In Deutschland nehmen sich 30 bis 50 Prozent der Menschen vor, ethisch zu konsumieren und nachhaltig einzukaufen. Doch diesen Vorsatz in die Tat umzusetzen, gelingt nur jedem 10. von ihnen. Zwischen Realität und eigener Wahrnehmung besteht oft eine Diskrepanz. Der freie Wille wird oft durch verschiedene Faktoren, wie Budgetbeschränkung, Intransparenz oder Mangel an Alternativen beeinflusst. Manchmal haben wir es auch mit professioneller Manipulation zu tun, wenn wir teurer, ungesünder und mehr einkaufen, als wir es uns vorgenommen hatten.

Georg und einige seiner Freunde haben eine kleine Organisation gegründet, die nach einem US-amerikanischen System lokal versuchen, ihre Umwelt nachhaltiger zu gestalten. Mit „nudge it!“ versuchen sie, „dem Konsumenten einen kleinen Schubs“ zur richtigen, nachhaltigen Entscheidung zu geben.

Ausgangspunkt dieses Systems ist die Zweiteilung des Denkens in automatisiertes, affektiertes Denken auf der einen Seite und reflexives, rationales auf der anderen Seite. Beides ist notwendig in unseren täglichen Handlungen und ist abhängig von der auf uns einwirkenden und beeinflussenden Umwelt. Zusätzlich verzerrt sich unsere Wahrnehmung, z.B. durch soziale Normen oder Faustregeln.

Dass man diese kognitiven Verzerrung und den jeweiligen Kontext designen kann, macht sich die Gruppe nudge it zunutze. Aber dabei sind sie nicht die ersten, die davon profitieren. In Schönau entschied man vor einigen Jahren in einem Bürgerentscheid nur sehr knapp die 100prozentige Umstellung der Energieversorgung auf Erneuerbare. Als dann bundesweite die freie Anbieterwahl kam, befürchtete man einen starken Wechsel weg von den Stadtwerken. Doch passiert ist nichts. Trägheit und Gewohnheit führten dazu, dass die Kunden nicht den Anbieter wechselten. Dieses kleine Beispiel zeigt, dass bei anderen Voraussetzungen, die Energiewende auch auf Kundenseite schnell umsetzbar sein kann.

Auch im Einzelhandel hat man dieses Prinzip angewandt und im Versuch den Einkaufswagen in zwei Fächer geteilt. Eins war dabei ausschließlich für Obst und Gemüse reserviert. In der Folgezeit stieg der Verbrauch von eben diesen Produkten signifikant.

Diese nudges wurden eingeführt, um zu versuchen, das Verhalten der Menschen zu beeinflussen, ohne die Wahlmöglichkeiten zu beschränken. Dass wir diese brauchen, zeigt sich an Situationen, in denen wir manchmal hilflos dastehen. Bei komplexen Entscheidungen, Situationen ohne Feedback oder mit zu vielen Handlungsalternativen ist es sinnvoll, in die richtige Richtung geschubst zu werden.

Dabei lässt sich der Vorwurf der Manipulation nicht so einfach von der Hand weisen. Vielmehr muss man sich ständig fragen, wie unterschwellig die nudges sein dürfen und in welchen Bereichen Grenzen erreicht werden. Dabei helfen Transparenz und eine ethische Auseinandersetzung mit der Effektivität und der Tiefe der Intervention.

So hat auch die nudge-Initiative von Georg erste Aktionen durchgeführt. In Zusammenarbeit mit der Humboldt-Universität wurden in ihren Bibliotheken die Drucker auf doppelseitigen Druck voreingestellt, um den Papierverbrauch deutlich zu senken.

Mehr dazu unter: www.thenudge.de

Wasser – Freund und Feind der Großstadt

Fanny Frick, Klimawandel und nachhaltige Entwicklung an der Humboldt Universität zu Berlin, während des Infoseminars. Quelle: Anna Goldberg

Fanny Frick, Klimawandel und nachhaltige Entwicklung an der Humboldt Universität zu Berlin, während des Infoseminars. Quelle: Anna Goldberg

Die Bedeutung des Wassers ist in keinem Fall zu unterschätzen, was ziemlich einleuchtend ist. Denken wir darüber nach, wann und wie viel Wasser wir am Tage verwenden und dann auch wieder zurück in die Leitung schicken, wird uns bewusst, wie wichtig es ist, vor allem in urbanen Siedlungen für ein nachhaltiges Wassermanagement zu sorgen.

Weltweit betrachtet ergibt sich ein Bild, dass uns in Europa eher unbekannt ist. Nur 16% der Menschen auf der Welt haben direkten Zugang zu fließendem Wasser in ihrem Haus, gar 40% müssen auf Wasser aus Quellen und Brunnen zurückgreifen. Daraus ergeben sich Probleme für die menschliche Hygiene und eine erhöhte Gefahr der Übertragung von Krankheiten. Dazu kommen Umweltprobleme, die sich auf Fischereiaktivitäten auswirken, und Überschwemmungsgefahren durch verbaute Flussbetten und Versiegelung.

Aus den Problemen zeigt sich, welche vielseitigen Verwendungen dem Wasser in der Stadt zukommen. Neben Trinkwasser dient das Wasser auch als Lebensraum und Biotop in der Stadt, aber auch zur Säuberung im sanitären Bereich. Dabei wirkt der Mensch auch bedrohlich auf das Wasser in der Stadt, durch die Bebauung von Wasserkörpern, Verschmutzungen und indirekt auch durch die Beeinträchtigung von Wassereinzugsgebieten, z.B. durch Schadstoffeintrag in der landwirtschaftlichen Nutzung.

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass die Stadt eine Verantwortung für die nachhaltige Wassernutzung und -aufbereitung hat. Dass dies bisher vernachlässigt wurde, liegt laut Gandy (2004) an einem veränderten Verhältnis der Mensch-Umwelt-Beziehungen, die im 19. Jh. mit der Verbannung der Wasserver- und -entsorgung in den Untergrund, also mit der Etablierung der Kanalisation begann. Seitdem heißt es, aus den Augen, aus dem Sinn.

Es stellt sich also die Frage, wie nachhaltiges Wassermanagement aussehen kann und welche Anforderungen es erfüllen soll. Ansatz der letzten Jahrzehnte war eine weitreichende Dezentralisierung und Privatisierung des Wassersektors. Dies hatte aber in vielen Fällen negative Auswirkungen auf soziale Disparitäten innerhalb der Stadt. In reicheren Stadtteilen wurde die Wasserversorgung schneller und besser eingeführt.

Nachhaltigkeit, als Bestandteil des Wassermanagements, umfasst die Einbeziehung sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Elemente, zusätzlich auf der Zeit- und Raumebene. Dabei soll gewährleistet werden, dass für möglichst jeden Stadtbewohner, zu jeder Zeit und in kurzer Distanz eine Ver- und Entsorgung des Wassers verfügbar ist. Außerdem soll das Wasser bezahlbar und sauber sein. Zu beachten sind auch der Grundwasser- und Hochwasserschutz, ein verhältnismäßiger Energieverbrauch und die Finanzierbarkeit des Wassermanagements. Dies alles soll in Balance zueinander stehen.

Solch hohe Anforderungen an nachhaltige Wassernutzung erfordern eine integrierte Planung, wie sie zum Beispiel die EU in ihrem Projekt der „Integrated Urban Water Management“ (IUWM) festgeschrieben hat. Dabei wird neben den bereits erwähnten Anforderungen ein neues Verständnis von Wassermanagement propagiert. Unter anderem wird darauf hingewiesen, dass Abwasser nicht Ballast ist, sondern als Ressource geschätzt werden soll, dass man in der Stadtplanung wasserdurchlässige Oberflächen einplant und auch indirekte Kosten beachtet.

Nach dem Infoseminar „Nachhaltiges Wassermanagement in der Stadt“ von Fanny Frick

 

Kapitalismus im grünen Gewand?

Ralf Fücks (l.) und Markus Wissen im Streitgespräch der Nachhaltigkeitskonferenz. Quelle: Lena T.

Ralf Fücks (l.) und Markus Wissen im Streitgespräch der Nachhaltigkeitskonferenz. Quelle: Lena T.

Die Geschichte des Kapitalismus ist eine Geschichte der Anpassung und Schaubild von Entwicklungen in Europa und der Welt. Nach der Zeit des Manchester-Kapitalismus hat sich eine neue Komponente der sozialen Verantwortung an die Ökonomie geheftet und fand seine Ausprägung vor allem in der sozialen Marktwirtschaft. Heutzutage wird darüber diskutiert, ob das nächste Element ein ökologisches sein kann. Handelt es sich dabei nur um einen Kapitalismus im grünen Gewand, der nur scheinbar alternativlos ist oder steht dem Kapitalismus der grüne Anstrich ganz gut?

Unter der Fragestellung „Ökologisierter Kapitalismus oder Systemwandel?!“ diskutieren Ralf Fücks, Vorstandsmitglied der Heinrich-Böll-Stiftung, und Markus Wissen, Professor für Gesellschaftswissenschaften an der HTW Berlin, über mögliche Wirtschaftssysteme.

Öko-Kapitalismus

Dabei ist für Fücks klar, dass sich für ihn ein Entweder-oder angesichts der Eingangsfrage nicht stellt. „Öko-Kapitalismus ist Systemwandel!“ Das Wirtschaftssystem des Kapitalismus bedeutet stetiger Wandel, bei dem alles Bestehende „verdampft“. Seine Variabilität ist sein Erfolgsfaktor, aus Krisen ist der Kapitalismus gestärkt hervorgegangen. Auch aktuelle Entwicklungen zeigen, dass der Kapitalismus sehr formbar ist, so gibt es neben dem sozialen und Wohlfahrtskapitalismus auch neoliberale und autokratische Ausformungen.

Die grüne Form des Kapitalismus ist dabei nichts weniger als die nächste industrielle Revolution nach der Dampfmaschine und dem Computer. Wir befinden uns nämlich nicht in einer Endzeit, sondern in der Inkubation, dem Übergang von der fossilen zur postfossilen Produktionsweise. Das Prinzip des ökologischen Kapitalismus besteht aus einer Koexistenz und Synergie des Wirtschaftswachstums mit der Umwelt und dem Naturverbrauch.

Dies ist notwendig geworden, da globale Veränderungen, wie das Wachstum des städtischen Lebens, weitere Ressourcen brauchen wird. Es stellt sich also nicht die Frage nach dem „ob“, sondern nach dem „wie“. In Europa ergibt sich dabei eine Chance, Pionier und Spitzenreiter zu werden.

Dies wird aber nur möglich, wenn vier entscheidende Faktoren effektiv zusammenspielen. Wissenschaft und Forschung muss beständig am Fortschritt arbeiten und neue Innovationen ermöglichen. Von Unternehmensseite bedarf es dann den Risikoeinsatz, Innovationen zu etablieren und zu verbreiten. Dies wird jedoch nur geschehen, wenn einerseits die Politik einen sicheren Rahmen vorgibt, andererseits auch die kritische Zivilgesellschaft Druck auf Unternehmen und Politik ausüben. Durch die entwickelten Innovationen können steigende Bedarfe gedeckt werden.

Demokratisierung der Naturverhältnisse

Dem Fortschrittsoptimismus von Fücks will sich Wissen nicht anschließen. Seiner Meinung nach steckt schon im Kapitalismus eine Struktur, die die Grundlagen des Kapitalismus selbst zerstört. Neben der brown economy (basierend auf den Einsatz fossiler Brennstoffe) und der green economy (Energie aus regenerativen Quellen) stellt Wissen das Konzept der Demokratisierung der Naturverhältnisse vor. Natürlich nimmt dieser Prozess Elemente der green economy auf, erweitert diese aber um die Prämisse nachhaltiger Nutzung. Sein Argument ist, dass auch ein erneuerter Kapitalismus Ressourcen verbraucht und sich trotz Modernisierung nicht vom Naturverbrauch entkoppeln kann. Das Wirtschaftswachstum geht weiter und das Grüne im Kapitalismus steht im Wettbewerb mit den traditionellen Energiequellen der brown economy.

Ein Beispiel aus Berlin zeigt jedoch, was die Menschen wirklich wollen. Eine Bürgerinitiative wollte den Ausverkauf des Berliner Stromnetzes an einen Monopolisten verhindern und die demokratische Mitbestimmung über Energiefragen stärken. Dabei geht es nicht nur um ökologische Aspekte, sondern auch um soziale, wie der Möglichkeit gestaffelter Strompreise. Dezentralisierung sieht Wissen als Medium der Demokratisierung der Gesellschaft, in der nicht über einen autoritären Masterplan, sondern über viele Prozesse nach dem Prinzip „trial and error“ Lösungen gesucht werden. Unternehmen hingegen agieren nach der Maxime einer privaten Entscheidung, die aber alle anderen auch betreffen, was im Kern undemokratisch ist.

Für mehr Dezentralisierung braucht es aber nicht unbedingt eine Abkehr vom Kapitalismus, der nämlich sehr wohl dazu in der Lage ist, bottom-up-Prozesse zu ermöglichen. So haben die Großunternehmen der Energiebranche in Deutschland nur einen Anteil von sieben Prozent an der erneuerbaren Energien. Hier werden die Konsumenten selbst zu Produzenten, was nur durch die Energiewende und das EEG möglich wurde. Die Politik zeigt also, dass sie handlungsfähig ist. Zu warten, bis der Kapitalismus abgeschafft wurde, wird die Katastrophe nicht verhindern, versperrt aber nützliche Kooperationen mit Unternehmen.

Dass in den USA und Europa die höchsten CO2-Werte zu verbuchen sind, kann nur zu der Schlussfolgerung führen, dass wir hier anfangen müssen, unseren Konsum zu reduzieren. Auch hinterfragt Wissen den ganzen Konsum unserer Gesellschaft und mahnt an, dass man mit weniger Quantität in der Erzeugung von Gütern ein Mehr an Qualität erreicht, da durch Verzicht Ressourcen freigesetzt werden.

Eine Umverteilung des Reichtums von oben nach unten ist der einzige Weg, soziale Gerechtigkeit herzustellen. Dies wirkt sich auch auf die Ökobilanz aus, da arme Marktwirtschaften weniger verbrauchen als reichere.

Das Plenum mischt sich ein

Fragen aus dem Plenum während des Streitgesprächs. Quelle: Lena T.

Fragen aus dem Plenum während des Streitgesprächs. Quelle: Lena T.

Bei der Zuhörerschaft blieben darauf viele Fragen offen und viele Argumentationen unbefriedigend. Vor allem das Öko-Kapitalismus-Konzept Fücks ließ Fragen hinsichtlich der Verbindlichkeit der Umsetzung, der internationalen Perspektive, Scheininnovationen und Externalisierungseffekte bei der Ressourcennutzung Deutschlands in der Welt aufkommen.

Fücks Verteidigung fokussierte sich vor allem auf die Erfolge, die bereits jetzt in Deutschland sichtbar sind. Durch Effizienzsteigerungen konnte CO2 im erheblichen Maße eingespart werden. Auch Externalisierungseffekte können nicht in Gänze Deutschland angehängt werden, da durch hohe Exporte sichtbar ist, dass Deutschland selbst viel Produktion nach Deutschland verlagern konnte. In dieser Entwicklung stehen wir noch am Anfang, aber es lohnt sich, dafür zu streiten und Kompromisse zu finden. Fücks selbst hat sich vom „militanten Antikapitalismus zum neuen Nachdenken“ entwickelt.

Dass der bereits eingeschlagene Weg erfolgversprechend ist, bezweifelt hingegen Wissen. Die Probleme des Kapitalismus sind noch längst nicht gelöst, wie zum Beispiel die anhaltende Konkurrenzsituation der Unternehmen zeigt. Auch internationale Vereinbarungen auf Ebene der Politik sind ergebnislos und bringen keinen Fortschritt.

Am Ende blieb offen, welche Lösung für unsere Welt maßgeschneidert ist. Wahrscheinlich wird uns die Zukunft einen Kompromiss aus beiden Lagern bringen.

Eine Frage noch: Was ist eigentlich Klimaschutz? – Politische Dimensionen des Klimawandels

Klimapolitik ist nicht immer gleich Klimaschutz. Und Klimaschutz kann im Umkehrschluss nicht immer durch ausschließlich klimapolitische Maßnahmen erreicht werden.
Was also ist eigentlich Klimaschutz?

Dieser Frage geht seit heute Morgen einer unserer Workshops nach, welcher von Benjamin Becker (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung) und Caspar Richter (freie Wissenschaftler, aktuell bezüglich Klimaschutz-Diskursen in Deutschland) geleitet wird. Am Beispiel Deutschlands wird versucht, aktuellen Problemen der Klimapolitik auf den Grund zu gehen, und zu analysieren, was die deutsche Klimapolitik bereits erreicht hat und welche Potenziale noch ausgeschöpft werden könnten und sollten.
Schon Ralf Fücks (Vorstandsmitglied der Heinrich-Böll-Stiftung) hatte heute Morgen im Streitgespräch mit Markus Wissen die Vorreiterrolle Deutschlands im Bereich der Klimapolitik betont. Tatsächlich ist der „klimapolitische Vorreiter Deutschland“ besonders auf nationaler Ebene in aller Munde.

Die Bundesrepublik steckt sich ehrgeizigere Ziele als die Europäische Union, beispielsweise hat sie sich vorgenommen, die Treibhausgasemissionen in Deutschland bis 2020 um 40 % zu senken und im Jahr 2050 sollen sogar nur noch 20 % der im Jahr 1990 emittierten Treibhausgase sein.
Um diese Ziele zu erreichen, werden Erneuerbare Energien seit 2000 gefördert, bis 2020 sollen sie 35 % am Gesamtenergieverbrauch Deutschlands ausmachen.
Die aktuell klimapolitische Top-Maßnahme ist die Steigerung der Energieeffizienz, das heißt, Wirtschaftswachstum und Primärenergieverbrauch sollen entkoppelt werden – bei steigendem BIP sinkt der Energieverbrauch, so könnte man das Ziel einer gesteigerten Energieeffizienz formulieren.
Als eine dritte Maßnahme ist der Emissionshandel zu nennen: Einer Tonne emittierten Kohlenstoffdioxids wird ein monetärer Wert entgegengesetzt, der von dem Emittenten zu zahlen ist, sobald bestimmte Emissionswerte überschritten werden.

Nachdem im Workshop diese und noch viel mehr klimapolitisch Maßnahmen besprochen worden waren, richteten die Teilnehmer eine sehr entscheidende Frage an sich selbst: Was könnte denn die Klimapolitik in Deutschland noch erreichen? Oder was würden wir uns von der Klimapolitik als erklärtes Ziel wünschen?
Schnell wurde klar, dass die Vorstellungen der Teilnehmer von einer besseren und gerechteren Nachhaltigkeitsstrategie längst nicht mehr nur die Klimapolitik betreffen:
„Man müsste marktwirtschaftliche Monopole brechen können, damit pluralistischer und freier Wettbewerb überhaupt erst entstehen kann!“, „Gesellschaftspolitisch müsste viel mehr Aufklärung betrieben werden – zum Beispiel sollte man sich in der Schule häufiger mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen.“, „Irgendwie muss es doch eine Möglichkeit geben, die Massenwerbung für bestimmte Konsumgüter, Fleisch beispielsweise, einzuschränken! Oder für Statussymbole wie möglichst große Autos.“

Wenn es um Nachhaltigkeit geht, sind wohl alle Bereiche der Politik gefordert, denn sie begegnet uns auch in allen Bereichen der Gesellschaft. Und sie geht uns alle an.
Einig war man sich auf jedem Fall in diesem Punkt: Es gibt noch viel zu tun, nicht nur für die Politik!

Dies als kleiner Einblick in den Workshop. Wir wünschen den Teilnehmern auch weiterhin viele Ideen und konstruktive Diskussionen.

Social Entrepreneurship – Unternehmerisch Gutes tun

Entwicklung spannender Ideen. Bildquelle: Lena T.

Entwicklung spannender Ideen. Bildquelle: Lena T.

Die ersten Info-Seminare starteten heute Morgen, darunter auch ein Seminar zum spannenden Thema „Social Entrepreneurship“.
Dieses Seminar zeigt den Teilnehmern eine weitere Möglichkeit, wie man das Thema Nachhaltigkeit aktiv angehen kann. Grundprinzip ist es, selbst eine Idee zu entwickeln und auf Grundlage dieser ein Unternehmenskonzept auf die Beine zu stellen, welches den Aufbau einer nachhaltig lebenden Gesellschaft unterstützt. Bezeichnet wird dies auch als „Nachhaltiges Business“.

Um eine Idee unternehmerisch zu verwirklichen, erfordert es jedoch sehr viel Kraft. Was also sind die Vorteile, selbst ein Projekt zu leiten? Um diese Frage zu klären, ist die aktive Mitarbeit der Seminarteilnehmer gefragt. Und die Vorteile liegen auf der Hand: Neben einer freien Zeiteinteilung kann man selbst entscheiden, wo es hingehen soll. Die eigenen Werte können also weitergeführt und alle eigenen Fähigkeiten integriert werden.

Existiert eine Idee, so geht es anschließend um die erfolgreiche Umsetzung. Und hier setzt „HUB Berlin“ an. Unternehmen, die einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen, werden hier auf ganz vielfältige Weise unterstützt, sei es beim Thema Finanzierung,  Kontakt mit Investoren, Organisation oder Vernetzung. Neben diesem Innovationszentrum in Berlin existieren noch viele weitere rund um den Globus, insgesamt 38 an der Zahl. Besonders der Vernetzungsaspekt liegt HUB sehr am Herzen, denn gerade junge Projekte brauchen möglichst viele Ideengeber und Mitstreiter. Aus diesem Grund wird auch aktuell ein größeres Gebäude gesucht, in welchem viele verschiedene Projekte Arbeitsraum finden. Durch diese Konzentration wird Vernetzung und Austausch leicht und Projekte können deutlich schneller und effektiver erfolgreich umgesetzt werden.

Im letzten Schritt des Seminars werden noch einmal alle aktiv. Wie lässt sich zum Beispiel aus dem Thema „Bäume retten“ und der Zielgruppe „Großeltern“ ein spannendes und erfolgreiches Projekt entwickeln? Eine Idee dahingehend zu entwickeln, geht schneller als man denken würde!
Dementsprechend lässt sich die Aufforderung formulieren: Werdet selbst aktiv! Erfindet und entwickelt!